Den Augenblick festhalten

Daguerrscher Apparat von 1866. <br>© Landesarchiv Baden-Württemberg
Daguerrscher Apparat von 1866.
© Landesarchiv Baden-Württemberg

Vom Dachboden eines Bauernhofes aus gelingt dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce ein geisterhaft unscharfes Bild von einem Hof mit Kornspeicher. Mutmaßlicher Zeitpunkt: Frühherbst 1826, vielleicht auch ein Jahr später. Die vermutlich erste lichtbeständige Fotografie der Welt zeigt einen Blick aus dem Fenster des Arbeitszimmers von Niépce. Dazu verwendet er die bereits bekannte Camera obscura und als chemische Substanz eine Beschichtung aus lichtempfindlichem Asphalt. Benötigte Belichtungszeit: acht Stunden. Damit ist er der Erfinder der Heliografie, der weltweit ersten fotografischen Technik.

Der Theatermaler Louis Jacques Mandé Daguerre erfährt 1829 von der Arbeit und ist derart begeistert, dass die beiden Franzosen fortan gemeinsam an der Verbesserung der Heliografie arbeiten. Vor allem wollen sie die Belichtungszeit verkürzen. Niépce begründet die Heliografie, Daguerre experimentiert und verbessert sie derart,dass er 1839 sein eigenes Verfahren offiziell der Welt übergibt: die Daguerreotypie. Es ist das erste kommerziell nutzbare fotografische Verfahren und basiert auf der Lichtempfindlichkeit von Silberhalogeniden. Versilberte Kupferplatten werden poliert und durch Einwirkung von Joddampf lichtempfindlich. Später kommen zusätzlich Brom- und Chlordämpfe dazu, was die Lichtempfindlichkeit der Metallplatte zusätzlich erhöht. Doch werden Quecksilberdämpfe und Zyankali verwendet. Viele Daguerreotypisten sterben früh.

Als Daguerre sein Verfahren der Öffentlichkeit präsentiert, melden sich plötzlich Forscher aus Brasilien und Norwegen, die ebenfalls die Fotografie erfunden haben wollen. Die Erfindung scheint zu Beginn des 19. Jahrhunderts also in der Luft zu liegen. Daguerre schreibt sogar ein Buch zu seiner Methode und legt den Bauplan für den Apparat mit bei. Innerhalb weniger Jahre erscheint es weltweit in 30 Ausgaben. Allein in Paris werden 1846mehr als 2000 Apparate und 500.000 Platten verkauft. Dabei liegt die Belichtungszeit 1839 noch immer bei 15 Minuten. Aber neue Objektivkonstruktionen und lichtempfindlichere Lösungen reduzieren sie schon bald auf weniger als eine Minute. Dennoch: Diese Bilder sind Unikate, technische Faszinationen und keine Massenware. Das Verfahren der Daguerreotypie dominiert bis in die 1860er-Jahre die Fotografie.

Staubsaugen – vom Kobold zum Roboter

elektrischer Handstaubsauger von Vorwerk
1929 entwickelt Vorwerk aus einem Grammophonmotor den elektrischen Handstaubsauger. © www.vorwerk.de

­Eine blasende Reinigungs­maschine, ein asthmatischer Nachtportier und die Frau eines Unternehmers sind die Eltern des Staubsaugers. Eine Erfolgsgeschichte des Unmöglichen. Man nehme eine Seifenschachtel aus Holz, einen Ventilator, einen Kissenbezug und einen Besenstiel – und schon hat man einen Staubsauger à la James Murray Sprangler.

Sprangler arbeitet 1906 als Nachtportier im damaligen New Berlin (seit 1918 New Canton) in Ohio. Seine Aufgabe unter anderem: Treppen wischen und Teppiche ausschütteln, für den Asthmatiker eine Qual. Er sucht nach einer Lösung und findet sie mit der Montage der vier oben genannten Dinge. Den Ventilator steckt er in die Holzkiste und schließt ihn mit einem Kabel an eine Stromquelle an. Der Kissenbezug dient ihm dabei als Sack, in dem der Schmutz aufgefangen wird. Inspiriert war er wahrscheinlich durch den Vacuum Clea­ner von Booth aus England.

Zwei Jahre später patentiert Sprangler sein Gerät und erzählt seiner guten Freundin Susan Hoover davon, denn er ahnt das Entwicklungspotenzial dieses kleinen Helfers. Sie wiederum erzählt es ihrem Ehemann. Der Geschäftsmann William H. Hoover ist von dem Gerät begeistert und kauft das Patent. Ab 1908 produziert seine Firma nicht mehr länger Lederwaren sondern Staubsauger. Acht Jahre später bringt Hoover den ersten Handstaubsauger mit Elektromotor auf den Markt. Dieses Modell bestimmt eine ganze Generation lang Funktion und Design des Haushaltshelfers und wird mehr als ein Klassiker. Im britischen Englisch beschreiben das Produkt auch die Tätigkeit: „to hoover“ heißt staubsaugen. Der Sauger verfügt bereits über einen Staubbeutelsack mit integriertem Wegwerfbeutel aus Papier.

Außen Tradition, innen Fortschritt

Hyster
Die Jubiläumsausgabe der Hyster-XT-Serie ist für Lasten zwischen 2 und 3 t ausgelegt. © Hyster

Vor 35 Jahren eröffnete ein US-amerikanischer Hersteller von Flurförderzeugen in einer irischen Planstadt ein Werk. Entgegen der schlechten Ausgangssituation war Hyster bald erfolgreich – mit neuen Strategien und neuer Technik.

Unten schwarz, oben gelb – so sehen Flurförderzeuge von Hyster aus, wenn sie das Werk im nordirischen Craigavon verlassen. Räder und Fahrgestell sind schwarz, Aufbau inklusive Fah­rerkabine gelb lackiert – so das Corporate Design. Traditionell und robust außen, neueste technische Entwicklungen innen. Es ist ein Montag im Jahr 2016 im Werk von Hyster. Ein Getränkeproduzent hat ein Flurförderzeug nach seinen Wünschen konfiguriert und bestellt. Im Folgenden wird das Rohmaterial zusammengestellt. Schon vier Tage später steht der frisch lackierte Stapler bereit.

Nach der Eröffnung des Werks im April 1981 dauerte es zehn Werktage, bis ein Flurförderzeug betriebsbereit war. Gefertigt wurde damals ein Typ. Heute sind es deutlich mehr Modelle. 25 Mio. Britische Pfund wurden vor 35 Jahren in Craigavon investiert, um eine Produktreihe von Flurförderzeugen zu fertigen. Das war damals sicher ein Segen für die brandneue Stadt. Sie entstand gut fünfzehn Jahre zuvor, als Hoffnungsschimmer für die wirtschaftlich schwache Region Nordirland auf dem Reißbrett eines schottischen Architekten. Ein Ballungsgebiet mit starker Wirtschaft sollte 20 Meilen südwestlich von Belfast entstehen. Mit Geldprämien werden in den 1970er-Jahren Menschen in die teils leer stehenden Neubauviertel gelockt. Doch die Region bleibt zunächst außen vor.

Zerstäuben, Ausspritzen und Verteilen

Pumpzerstäuber
Dieser Pumpzerstäuber wurde 1928 in Deuschland hergestellt. © Bullenwächter via Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Von Deodorant über Sahne bis Schmieröl – die Sprühdose ist nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Die Verpackung mit eingebauter Dosierungshilfe stammt aus Norwegen und machte Station in den USA, rettete nebenbei sogar Leben. 2016 wird sie stolze 90 Jahre alt.

„Der Norweger Erik Andreas Rotheim erfand 1926 die Spraydose, weil er nach einer Lösung suchte,… A: seine Ski einzuwachsen, B: sein Holzhaus zu imprägnieren oder C: seine Rasiercreme aufzutragen?” Diese Frage musste am 29. Juni in einer Vorabendsendung der ARD von zwei Prominenten beantwortet werden. Am Ende haben die beiden Verzweifelten geraten und auf A getippt. Und damit wurden aus 500€ 1000€, denn tatsächlich suchte Rotheim vor 90 Jahren eine bessere Möglichkeit, um Wachs auf seine Ski aufzutragen.

Am 09. Februar erfunden, meldet er am 8. Oktober 1926 in Oslo ein Patent für seine Idee an. In der Anmeldung ist von einem „Verfahren zum Zerstäuben, Ausspritzen oder Verteilen von Flüssigkeiten oder halbflüssigen Massen“ die Rede. Damit beginnt die Geschichte der Spray- oder Sprühdose. Aerosol wird es in der Fachsprache genannt – eine Zusammensetzung des griechischen „aer“ für Luft und des lateinischen „solutio“ für Lösung.

Ein Klammeraffe macht Karriere

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© Rudolpho Duba / PIXELIO

In der deutschen Sprache nennen wir es „Klammeraffe“, in der italienischen Sprache ist es ein „Schneckchen“, in der russischen ein „Hund“, in der tschechischen ein „Rollmops“, in der ungarischen ein „Würmchen“ und im Hebräischen ein „Strudel“ – das Zeichen @.

Ray Tomlinson bedient sich 1971 dieses Chamäleons, als er die erste E-Mail-Adresse der Welt vergibt: tomlinson@bbntenexa. Heute ist die E-Mail der Veteran in der Internetkommunikation – aber noch immer einer der meistgenutzten Dienste. Im Jahr 2014 werden 166 Mrd. E-Mails verschickt – an einem einzigen Tag. Bis 2017 soll die Zahl der täglich versendeten E-Mails auf über 200 Mrd. steigen. Vor 45 Jahren arbeitet der Ingenieur Ray Tomlinson als Computertechniker bei einem privaten Forschungsunternehmen in Cambridge. Das hat vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium 1968 den Auftrag erhalten, das Arpanet – den Vorgänger des Internets – aufzubauen. Und 1971 geht es im Team um Tomlinson darum, ein Paketswitching-Protokoll für dieses Netz zu entwickeln. Der Tüftler allerdings findet es spannender, netzwerkfähige Kommunikationssysteme zu erschaffen. Einer seiner Kollegen ermahnt ihn: „Don’t tell anyone! This isn’t what we’re supposed to be working on.“

25 Jahre Jenoptik

Die Jenoptik-Zentrale im Ernst-Abbé-Hochhaus im Zentrum von Jena / © JENOPTIK AG, Günther Prätor, Jena
Die Jenoptik-Zentrale im Ernst-Abbé-Hochhaus im Zentrum von Jena / © JENOPTIK AG, Günther Prätor, Jena

„Die Jenoptik Aktiengesellschaft ist ein weltweit führender, börsennotierter Photonik-Konzern mit Sitz in Jena (Thüringen).“ Dieser Eintrag in Wikipedia liest sich gut und ist zugleich alles andere als selbstverständlich.

Denn dass mehr als 3500 Mitarbeiter des Konzerns im Sommer das 25-jährige Betriebsjubiläum feiern können, verdanken sie einer klugen Unternehmenspolitik nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR. Und die beginnt am Dienstag, den 25. Juni 1991 in Jena, als zwischen der Treuhandanstalt, den Ländern Baden-Württemberg und Thüringen sowie allen beteiligten Zeiss-Unternehmen eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet wird. Aus einem der größten Kombinate der DDR wird nach dem Fall der Mauer zunächst die Carl-Zeiss GmbH. Im vorherigen VEB Carl Zeiss Jena arbeiteten einst 69.000 Menschen in 25 Betrieben. Es war das Hightech-Unternehmen des Ostblocks.

  • Erschienen im Maschinenmarkt 21/2016
  • Der vollständige Artikel als PDF: 25 Jahre Jenoptik

Die Geburt des Personal Computers

© rebelpilot / Flickr
© rebelpilot / Flickr

San Francisco, Herbst 1974: Ein 19-jähriger Mann kehrt mit langen Haaren, Vollbart und in Sandalen aus Indien zurück. Mehrere Monate hat sich der Frutarier in der Ferne mit dem Hinduismus, dem Buddhismus und der Primärtherapie beschäftigt. Und er wird Geschichte schreiben.

Doch nicht als Philosoph mit dem Charme eines Blumenkindes aus Kalifornien, sondern als Technikhippie. Seine Leidenschaft zu Früchten wird dabei zum Markenzeichen. 1976, vor 40 Jahren also, wird er ein Unternehmen gründen mit einem angebissenen Apfel als Symbol. Als Steve Jobs 2011 im Alter von 56 Jahren an Krebs stirbt, wird sein Vermögen auf mehr als 8 Mrd. Dollar geschätzt. Er ist einer der PC-Pioniere, der zum Milliardär wurde.

Der andere, sein Konkurrent, ist 1974 ebenfalls 19 Jahre alt und studiert damals in Harvard, bricht ein Jahr später sein Studium ab um fortan mit seinem Kommilitonen programmieren. Bill Gates ist heute mit einem Vermögen von fast 90 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt. Beide jungen Männer beginnen mit ihren Freunden in den 70ern ihre Mission aus Spaß an der Freude, und es wird mehr – sie verändern das Leben von Milliarden von Menschen. Sie prägen den Personal Computer.

Die Erfindung der CD

Audio-CD.
Audio-CD. © Alexander Völkert

Ein  japanischer Manager bei Sony ist unzufrieden mit der Klangqualität von Schallplatten und Tonbändern. Der ausgebildete Opernsänger Norio Ohga gilt als der Erfinder der CD. Durchmesser und Spieldauer gehen auf sein Konto: 12 cm und 74 min, bis heute die Parameter für eine Audio-CD.

Als Vizepräsident will der Japaner, dass Beethovens Neunte in voller Länge darauf Platz findet. Die seinerzeit längste Version der Symphonie, eingespielt unter dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler, dauert 74 Minuten. So sorgt der Wiener Klassiker gut 150 Jahre nach seinem Tod für den Standard des neuen Audio-Mediums. Die CD wird gepriesen als eierlegende Wollmilchsau: mit hoher Klangqualität, langer Lauf- und Lebenszeit und dem Potential, zukünftig zur Speicherung aller möglichen Daten genutzt zu werden. Bereits 1988 werden weltweit 100 Millionen Audio-CDs gefertigt, und ein Jahr später werden in Deutschland erstmals mehr CDs als LPs verkauft. Für die Musikindustrie also definitiv ein Segen.

  • Erschienen im Maschinenmarkt 14/2016
  • Der vollständige Artikel als PDF: Compact Disc

Der Vater des Computers

Konrad_Zuse_mit_Z3
© Deutsches Museum München

Am 12. Mai 1941 stellt ein 30-jähriger Tüftler und studierter Bauingenieur erstaunten Wissenschaftlern der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) seine programmgesteuerte Rechenmaschine vor. Was heute auf wenigen Quadratmillimetern Platz findet, nimmt beim Z3 noch das Volumen von mindestens drei großen Kühlschränken ein. Aus drei Speicherschränken, einem Rechenwerk und einer Bedienkonsole besteht der erste Computer der Welt. 2500 Spulen und fingergroße Relais benötigen einen Strom von 4000 Watt. Das Wunder beherrscht die Grundrechenarten und zieht sogar Wurzeln. Zahlen werden in eine numerische Tastatur eingegeben und ein 35-Millimeter-Filmlochstreifen zieht sich Stück für Stück durch die Maschine. Dann beginnen die riesigen Relais zu rattern, und schließlich blinken kleine Lämpchen auf und zeigen damit: das Ergebnis ist gefunden. Der Maschine scheint also im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufzugehen. Heute unvorstellbar, doch so beginnt die Geschichte des modernen Computers, wenngleich es natürlich viele Ideen vor Konrad Zuses Entwicklung gibt.

  • Erschienen im Maschinenmarkt 10/2016
  • Der vollständige Artikel als PDF: Zuse Z3

Das elektrodynamische Prinzip

© Siemens AG
© Siemens AG

Mit der Dynamomaschine lässt sich ab 1866 mechanische Energie auf ökonomische Weise in elektrische Energie umwandeln. Die Erfindung von Werner von Siemens ist das dynamoelektrische Prinzip: das gegenseitige Sich-Aufschaukeln der induzierten Spannung oder des Induktionsstromes und der Stärke des Magnetfeldes. Es ist die Grundlage für alle modernen Großgeneratoren und somit die Voraussetzung für die Starkstromtechnik. Das Restmagnetfeld von Eisenkernen wird genutzt, um in einem Generator zunächst eine kleine Spannung und damit einen kleinen Strom zu erzeugen. Diesen Strom nutzt man, um das Magnetfeld zu verstärken und eine größere Induktionsspannung und damit auch einen größeren Induktionsstrom zu erhalten. Die Grundlagen dazu: 1820 entdeckt der Däne Oerstedt die Wirkung des Magnetismus auf den elektrischen Strom. die 1825 weist Faraday die elektromagnetische Induktion nach. Siemens schafft 41 Jahre später die Voraussetzungen für die Starkstromtechnik. 1881 lässt er in Berlin die erste Straßenbahn der Welt fahren.